Georgioupolis, Kreta: Sonne, Stolz und die Wunden jüngster Zeiten

16. September 2024
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Mit satt 30 Grad Celsius und erhabenem Licht, mit wunderbarer Meeridylle und dem guten Leben eroberte Kreta unsere Seelen. Mit ihren 254 Kilometern Länge ist die größte griechische Insel auch im Freundeskreis hier und dort bereist worden und voll des Lobes sind sie alle. So kehren die meisten immer wieder zurück an jenen Ort, an welchem deutsches Lebenstempo und ganzjähriges Schlechtwetter sich im Dunkel ferner Erinnerung verlieren.

Ein Upgrade und unerwarteter Luxus

Unmittelbar vor der Reise nach Kreta redeten wir reichlich über das Thema Harmonie und residieren durften wir ganz unerwartet im Hotel Harmony Boutique Resort, einem 5 Sterne Domizil für Erwachsene. Gewiss hat uns der Kosmos ein versönliches Signal gesendet. Im Dunkeln am Hotel eingetroffen hieß es an der Rezeption des eigentlich gebuchten Corissia Beach Hotel, man habe da für uns Erstbesucher ein prima Upgrade auf das Schwesterhotel Harmony, es sei ein reines Erwachsenenhotel und gewiß würden wir Gefallen daran finden. So kam es dann auch. Innerhalb der lokalen Hotelgruppe werden verschiedene Konzepte angeboten und uns konnte man mit diesem Geschenk erfolgreich begeistern. Es erwartete uns ein prima Zimmer, mit wartenden Pralinen und Rotwein, am Balkon Granatäpfel und Limetten an den Bäumen. So lässt sich’s leben.

In der Retrospektive eine schöne Anekdote, doch tatsächlich wurde die Situation beim Eintreffen von mir dank Reisemüdigkeit und lost in translation falsch interpretiert. Mein mißtrauisches Ich witterte einen möglichen Nachteil, in dem Moment war ich wohl ein schwieriger Gast. Am nächsten Tag war längst klar, hier handelte es sich um ein echtes Upgrade, ein Geschenk. Selbstverständlich suchte ich die diensthabende Dame vom Vortag nochmals an der Rezeption auf, entschuldigte mich, bedankte mich. Es sind die Fehler, an denen wir wachsen.

Überhaupt ist die kleine Hotelgruppe des Herrn Tsiledakis sehr beeindruckend. Nicht zu wenig Personal ist zu sehen, sondern im besten Sinne reichlich viel Personal. Hier wurden Arbeitsplätze geschaffen, hier kümmert sich das Unternehmen auch außerhalb der Arbeit um gute Lebensbedingungen und Vorteile für die Mitarbeiter. Während unserer Hotelführung erzählte der dienstältere Mitarbeiter bewundernd vom Wachstum seit Tag 1, von der Initiative mit dem hoteleigenen Solarpark, von modernen Ideen und immer wieder wurde der Chef fast schon liebevoll als „Bigboss“ tituliert.

So genossen wir auf der Hotelseite alle Tage. Günstig sind sie nicht, die Drinks, aber jeder einzelne von ihnen war gut gemacht und die Bedienung am hoteleigenen Strand gereichte zu des Lebens Luxus. Das Essen hätte mehr vegane Optionen bieten können, aber dennoch wurde wir immer reichhaltig satt, alles lecker und von sehr guter Qualität.

Und das Beste kommt wie so oft zum Schluss: Am letzten Tag unseres Aufenthalts fragten wir im Hauptrestaurant nach, ob jene Süßspeise vegan sei. Die Mitarbeiterin holte die ausgerechnet deutsche Küchenchefin. Und diese sagte uns fröhlich: „Hätte ihr doch am Anreisetag durchgegeben, dass die Veganer da sind. Ich hätte doch jeden Tag für euch gesorgt.“ Es bleibt ein Lächeln ob dieser Worte. Sehr sympathisch bleibt diese Erinnerung allemal.

Georgioupolis

Der Ort war zufällig von uns in der frühen Reiseplanung gewählt und doch mag es so sein, dass uns das Schicksal mit „Jorjupoli“ vereint hat. Ohne den saisonalen Pauschaltourismus hat das Örtchen dem Hören nach vielleicht 500 Einwohner. Des Mittelmeerjuwels Highlight bleibt der ihm innewohnende Charakter, welcher sich nicht allein am üppig blühenden Eukalyptus festmacht. In den nächsten Zeilen werde ich es zu greifen suchen.

Nach drei Tagen ist das Dörfchen enträtselt, Vertrautheit mit den paar Straßen stellt sich ein, man kennt die kürzesten Weg, die relevanten Shops und Haltepunkte. Im Ortskern der wunderbare Brunnen, drumherum in abendlicher Kulisse die Luft als Gemisch von Sauerstoff, Souvlaki, Gyros, Bifteki, Fisch und Lamm. Als Veganer ist man gut beraten, mit Lächeln die Geselligkeit zu honorieren und auch dem Raki zu frönen. So steigt sie, die Stimmung, so ist es, das gute Leben.

Unter lachender Sonne das ruhigere Lebenstempo, die im Ort allgegenwärtigen Eukalyptusbäume schauen famos aus, bieten ein wunderbares Ambiente. Man erklärte mir, die Bäume seien damals zur Entwässerung des Moorgebietes gepflanzt worden und um letztlich erfolgreich der Malariafliege trotzen zu können.

Ganz hohe Gebäude gibt es gottlob (noch) nicht, heimelig ist es. Die Hotels verwöhnen ihre Gäste mit einem wunderbaren Strand, wie er am wunderbarsten mit Blick zum Meer ganz links und unmittelbar vor dem kleinen Fischerhafen ist. Kaum Wellengang, herrlich feiner Sand und das Zwinkern griechischer Sonne.

Von den Menschen in Georgioupolis

Stolz seien die Griechen, heißt es. Man sagt auch, die Kreter seien nochmals stolzer und das lässt sich von meiner Seite bestätigen. Keineswegs vom distanzierten gar überheblichen Stolz ist die Rede, sondern der Stolz in seiner edelsten Form. Wie kann es anders sein, dass ich mich schon nach wenigen Tagen als Grieche, als Kreter fühlte.

Eine in Georgioupolis geborene Dame mit in Deutschland erworbenem flüssigsten deutsch ließ uns eine Anekdote aus ihrer Jugendzeit zuteil werden. Damals, in den frühen Achtzigern noch, da haben die stolzen Männer von Georgioupolis noch alle ihre kunstvoll verzierten kretischen Messer am Gürtel getragen. Allzeit bereit, den verletzten Stolz zu verteidigen.

Die Messer sind übrigens eine der Besonderheiten Kretas. In nahezu jedem kleinen Touristenladen gibt es sie, handgefertigt, selten günstig, dafür kunstvoll und ein wertiges Mitbringsel für die heimische Vitrine.

Sie sind nette Menschen, die Einheimischen der Ortschaft Georgioupolis. Und wie an jedem Platz dieser Welt soll es für den Gast gelten, sich von seiner besten Seite zu zeigen.

Lockdowns waren auch auf Kreta eine dunkle Zeit

Im späteren Gespräch erzählte uns dieselbe Dame auch von den dunklen Zeiten der jüngsten Vergangenheit. Während der großen Lockdowns wie auch während der regionalen Mini-Lockdowns passierten große Härten für die Einwohner. Nachts galt die totale Ausgangssperre, tagsüber musste man vor Verlassen des Hauses eine SMS in Richtung einer bestimmte Rufnummer senden. So oder auf einem Formular war einer der wenigen zulässigen Gründe zu bestimmen. Zuwiderhandlungen, auch ein kurzer Strandspaziergang zählte dazu, wurden mit hunderten Euros Strafe geahndet.

Für die Erzählerin passierte noch mehr Härte, da sie sich als Mitarbeiterin „ausgerechnet in der Tourismusbranche“ gegen die neuartige Impfung entschieden hatte. Insofern strahlte auch diese heldenhafte Dame aus Georgioupoli jenen kretischen Stolz aus. Wir sind alle gut beraten, ein würdevolles Dasein zu zelebrieren. Trachten wir danach, unser Handeln nicht an lautem Tönen und Zwang auszurichten, sondern den Wahrheiten im Innern unseres Herzens Gehör zu schenken.

Urlaub bleibt der Seele Trost

So träumt es von Georgioupolis, das geschundene Herz. Vom Farbspiel untergehender Sonne, vom Raki unter flirrender Mittagssonne, vom Schmeichel sanfter Wellen.

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Yogatyp

Computerkid der 80s. Blogger seit 1995. Mein Credo: Die eigene Existenz währt nur einen Augenblick. Diesen winzigen Punkt im Ewigen gilt es mit Freude, Liebe und Mitgefühl zu zelebrieren.

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